Einstieg ins Streckenfliegen

Der Traum vom Fliegen ohne motorische Hilfsmittel findet wohl für viele Gleitschirmflieger im Streckenfliegen seine Krönung. Eine Strecke vom Startplatz bis zum letzten Wendepunkt und zurück zum Landeplatz ist die Königsdisziplin beim Gleitschirmfliegen. Für Einsteiger, die in diese Sphären eintreten wollen, gibt´s hier ein paar Tipps und Links zu ausgesuchten Seiten.


Streckenflug von der Hochries nach Kössen

Streckenflug von der Hochries ins Flachland

XC-Wege zum Streckenfliegen von Reinhold Parl


Fliegen ist in erster Linie eine Kopfsache!

Am Hausberg kennst du dich nach einer gewissen Zeit schon relativ gut aus, weißt wo die Hausbärte stehen, durchblickst das lokale Thermik und Windsystem, kennst aber auch die Tücken bei den unterschiedlichen Wind und Wetterverhältnissen. Bereits in deiner Ausbildung bist du immer wieder auf einzelne Gegebenheiten in deinem Fluggebiet hingewiesen worden, sei es vom Fluglehrer oder den Mitschülern, die ihr Erlebtes mit Begeisterung von sich geben. Du weißt in den meisten Fällen bereits vorm Start, was auf dich zukommt und bereitest dich darauf schon im Unterbewusstsen vor.

Was ist aber, wenn du dich in noch unbekanntes Terrain begeben willst?

Wie gesagt sollest du dich im Kopf darauf vorbereiten, dich ganz bewusst mit deiner Aufgabe, die du dir gestellt hast, beschäftigen. Nimm dir nicht zu viel vor, wenn es dann doch über dein gesetztes Ziel hinausgeht, bist du fürs nächste Mal motivierter, als wenn du dein Ziel nicht schaffst. Enttäuschungen sind selten ein Motivator!

Aber wie beschäftigt man sich ganz bewusst mit seiner Aufgabe?

Das Internet gibt dir so einige Tipps, so wie du sie dir auch hier auf meiner Seite holen kannst. Vor allem die Standardrouten, die fast bei jedem guten Flugtag geflogen werden, sind im DHV-XC immer gut beschrieben. Also schau dir die Flüge, weg von deinem Hausberg genauer an, du wirst schnell merken, dass diese einer Vorzugsroute folgen. Außerdem kannst du sie virtuell mit Google Earth nachfliegen, hast somit schon ein erstes Bild vom Gelände und weißt, ab welcher Höhe es möglich ist abzufliegen. Auch gut zu erkennen sind die wahrscheinlichen Thermikquellen auf deine Route, immer wieder drehen die Piloten an den selben Stellen. Sind Talquerungen dabei, beschäftige dich unbedingt mit dem jeweiligen Talwind-System, dies wird von den meisten Anfängern total unterschätzt. Denke daran, dass sich das Talwindsystem im Laufe des Tages ändert bzw. meist zulegen wird. So einige Routen sind sehr stark abhängig von der Tageszeit, zu der man bestimmte Gebiete erreicht. Kräftiger Wind erzeugt Turbulenzen und hinter Hindernissen ein starkes Lee, beides sind Feinde des genussvollen Gleitschirmfliegers. Zum Schluss hol dir noch vor Ort, am Startplatz bei deinen Flugkameraden die letzten Tipps zum Tag und du bist gut vorbereitet (Wetterverhältnisse und Winde im Vorfeld zu checken ist obligatorisch, das brauche ich hier nicht näher ausführen).

Du weißt jetzt was dich erwarten wird und kannst voller Selbstbewusstsein die Sache angehen! Sicherlich ist im Kopf noch ein gehöriger Respekt vor der Aufgabe, brauchst aber keine Angst mehr vor dem Ungewissen haben. Viele, viele Piloten sind die Strecke schon vor dir geflogen, haben keine Überraschungen erlebt und sind sicher gelandet, das kannst du mit deiner guten Vorbereitung auch!

Jetzt geht es ans Starten. Ein guter Start gibt dir Sicherheit und Zuversicht die Aufgabe zu schaffen, also begebe dich in den „Startmodus“. [*Anmerkung] Konzentriere dich auf den Start, lass dich nicht ablenken, sei es bei noch so einfachen Startbedingungen. Bist du in der Luft schalte um auf den „Flugmodus“, in dem du dich aufs Fliegen und Thermiksuchen konzentrierst. Beobachte die Wolkenbildung, dazu andere, bereits kreisende Piloten und weitere Thermikanzeiger, um Höhe zu gewinnen.


[*Anmerkung]

Für mich gibt es beim praktischen Teil des Fliegens immer drei/vier Modi:

  • Startmodus
  • Flugmodus
  • Landemodus
  • Landebiermodus

Bei jedem einzelnen Modus, zumindest bei den ersten drei, denke ich ausschließlich an diesen und konzentriere mich darauf. Meine Erfahrung ist, nehme ich den Start zu locker und konzentriere mich nicht darauf, sei es aus Ablenkung, Zeitdruck oder vermeintlicher Routine, schleicht sich so manchmal ein Fehler ein, der mir den Flugspaß schon zu Beginn das ein oder andere mal versaut hat!


Hast du die maximale Höhe erreicht, kannst du dich aufmachen, den ersten Teilabschnitt zu beschreiten, bzw. zu befliegen. An einem guten Tag hast du schon mal Vorflieger, an denen du dich ein bisschen orientieren kannst, ansonsten fliege deinen Weg, den du bereits im Kopf hast und denke an die Tipps zum Streckenfliegen, die ich im Anschluss noch gebe.

 

TIPP: Lass dich nicht verleiten die Thermikquelle zu wechseln, wenn etwas entfernt von dir ein anderer Pilot schneller steigt, bleibe in deinem Aufwind, du bist nicht auf Rekordjagt, eine sichere, stetige Aufwindquelle ist besser, als eine etwas entfernte, vermeintlich stärkere! Außer du bist dir sicher, sie gibt’s noch, wenn du bei ihr bist?

TIPP: Wolken sind nach kreisenden Vögeln oder Piloten die besten Thermikanzeiger, sie können dich aber auch ganz schön ärgern, wenn sie sich auflösen, sobald du sie erreicht hast. Versuche bereits beim Kreisen in der Thermik die Wolken auf deiner Route zu beobachten, ob sie größer werden oder sich auflösen. Mit der Zeit wirst du auf Grund der Wolkenform und Größe immer besser erkennen, wo sich die Thermik befindet.

TIPP: Fliegst du gegen den Wind ein Wolke an, also leeseitig zur Thermik, hast du meist vorm Steigen ein deutliches Sinken, ein Zeichen, dass sie noch aktiv ist . Danach kommt oft ein kräftiges Steigen, der Übergang ist relativ abrupt. Besser ist es, die Wolke von der Luvseite anzufliegen, hier findest du meist kein Sinken, sondern eine stetige Zunahme des Steigens bis zum Kern, was sich viel angenehmer anfühlt.

TIPP: Erfahrene Thermikflieger versuchen nicht auf der Leeseite der Thermik herauszufallen, vor allem nicht, wenn es eine starke Thermik ist! Da kann es schon mal passieren, dass du einen abrupten Übergang von 5m/s Steigen, in 2m/s Sinken erlebst und du dich gefühlt im freien Fall befindest. Kommst du nur mit einer Flügelhälfte in diesen Bereich, ist ein Klapper unvermeidbar. Auch wenn sich kräftige Thermiken weniger mit dem Wind versetzen, drehe bei starken Aufwinden eher länger gegen den Wind, fliege also keine Kreise, sondern Ovale.

TIPP: Bei schon leichtem Gegenwind, fliege beschleunigt, das erhöht die Gleitzahl. Die Richtung hältst du mit leichten Steuerbewegungen an den C-Tragegurten. Jeder Schirm verhält sich ein bisschen anders mit den Stufen des Beschleunigers, probiere es bei einer Talquerung einfach mal aus und beobachte die Gleitzahl am Vario, mit der Zeit findest du die ideale Beschleunigungsstufen für deinen Schirm heraus. Ist es sehr unruhig, reduziere das Beschleunigen oder gehe sogar ganz heraus. Ein beschleunigter Klapper ist immer sehr dynamisch mit heftigen Reaktionen des Schirms, das braucht man nicht, wenn man Spaß am Fliegen haben will.

TIPP: Der Thermikmotor ist immer die Sonne. In den Alpen entstehen die besten Thermiken fast ausschließlich an den optimal zu Sonne ausgerichteten Südflanken. Vergiss dabei nie, dass sich die zur Sonne ausgerichteten Südflanken bei den, in den Nordalpen häufigen auftretenden Wetterlagen mit Nordwest- und Nordwind gerne mal im Lee befinden. Auch kommen in den Nordalpen die Talwinde aus nördlichen Richtungen, sie sind oftmals so stark, dass sie ganze Berge überspülen und ein unangenehmes Lee an den Südflanken erzeugen. Paradebeispiel ist der Wildkogel im Pinzgau; der Startplatz ist auf 2100m, nach Süden ausgerichtet und nach 11 Uhr nicht mehr zu starten, weil die Talwinde aus Norden den Berg überspülen und von hinten kommen.

Weitere Tipps und Infos folgen.